• Gedenken in Berlin l?st Eklat aus :?Ukrainischer Botschafter weist Einladung von Michael Müller zurück
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Gedenken in Berlin l?st Eklat aus : Ukrainischer Botschafter weist Einladung von Michael Müller zurück

Der Regierende wollte mit Vertretern Russlands und der Ukraine an das Kriegsende erinnern. Für Kiews Botschafter w?re das der ?schlimmste Albtraum“.

Foto: Stephanie Pilick/dpa
In Berlin feiern Russen traditionell am 9. Mai am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park den Tag des Sieges.Foto: dpa

Drei Botschafter erhielten vor wenigen Wochen eine Einladung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD). Gemeinsam mit den Vertretern Russlands, der Ukraine sowie von Belarus wollte er an diesem Samstag zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges einen Kranz niederlegen, und zwar nicht an einem der gro?en Denkm?ler der Stadt, sondern vor einem auf den ersten Blick unscheinbaren Wohnhaus am Schulenburgring in Berlin-Tempelhof.

In der Erdgeschosswohnung dieses Hauses befand sich in den letzten Kriegstagen der Kommandostab der sowjetischen 8. Gardearmee. Am 2. Mai 1945 unterzeichnete der deutsche General Helmuth Weidling dort den Befehl zur Kapitulation der Truppen, die bis zuletzt in Berlin gek?mpft hatten. Damit war der Krieg für die Hauptstadt zu Ende.

Müller wollte mit den Diplomaten die K?mpfer der Roten Armee würdigen

An den 75. Jahrestag dieses historischen Ereignisses wollte Müller gemeinsam mit den drei Diplomaten erinnern, deren Staaten früher zur Sowjetunion geh?rt hatten. ?Im Vordergrund der Veranstaltung steht die Würdigung vor allem der russischen, ukrainischen und wei?russischen K?mpfer der Roten Armee, die Berlin eingenommen haben“, sagte die Sprecherin des Regierenden Bürgermeisters auf Anfrage.

Doch dass die Einladung bei einem der Empf?nger Irritationen ausl?sen k?nnte, war der Senatskanzlei bei der Planung offenbar entgangen. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk sagte seine Teilnahme ab.? Er wisse die Einladung des Regierenden Bürgermeisters zu sch?tzen, sagte Melnyk dem Tagesspiegel. ?Damit wird der unbestrittene Beitrag des ukrainischen Volkes zur Befreiung Europas von der NS-Gewaltherrschaft anerkannt.“

In der Roten Armee hatten sechs Millionen Ukrainer gek?mpft, jeder zweite von ihnen erlebte das Ende des Krieges nicht. Die vollst?ndig besetzte Ukraine war einer der Hauptschaupl?tze des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges. Mehr als fünf Millionen ukrainische Zivilisten wurden von den Deutschen ermordet. Doch in der deutschen ?ffentlichen Debatte werden die sowjetischen Opfer oft mit russischen gleichgesetzt.

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Das Gedenken an die Opfer des Vernichtungskrieges sei für ihn eine moralische Verpflichtung, betonte der Botschafter. Dennoch müsse er der Gedenkfeier am 2. Mai fernbleiben. ?Nicht einmal im schlimmsten Albtraum k?nnte ich mir vorstellen, Kr?nze niederzulegen an der Seite eines Vertreters des Landes, das seit über sechs Jahren zynisch einen blutigen Krieg in der Ostukraine führt“, sagte Melnyk. ?Bis heute wurden über 14.000 Ukrainer im Laufe der immer noch andauernden russischen Aggression umgebracht. Jeden Tag und jede Nacht werden meine Landsleute verwundet und get?tet.“

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk sagte seine Teilnahme an der gemeinsamen Gedenkveranstaltung in Tempelhof ab.
Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk sagte seine Teilnahme an der gemeinsamen Gedenkveranstaltung in Tempelhof ab.Foto: promo

Deswegen bat der Botschafter den Regierenden Bürgermeister in einem Brief um Verst?ndnis, dass er die Einladung nicht annehmen k?nne.??

Wegen des Krieges im Donbass gab es in Berlin schon seit fünf Jahren keine Gedenkveranstaltung, auf der die Botschafter Russlands und der Ukraine gemeinsam aufgetreten w?ren. Russland feiert den Tag des Sieges am 9. Mai, in Berlin findet das Fest traditionell am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park statt. Dagegen l?dt die ukrainische Botschaft seit 2015 bereits am 8. Mai Repr?sentanten von Staat und Gesellschaft zu einer Kranzniederlegung am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten. An diesem Datum erinnern Europ?er und Amerikaner an das Ende des Krieges.

?Wir würden uns mehr Fingerspitzengefühl wünschen“

?Russland hat die Halbinsel Krim v?lkerrechtswidrig annektiert und gro?e Teile des Donbass okkupiert“, sagte der Botschafter. Die ?aggressive Politik des Kremlherrn“ habe eine nie dagewesene Entfremdung zwischen Ukrainern und Russen verursacht. ?Daher ist auch ein gemeinsames Gedenken undenkbar.“ Es sei ?schade, dass der Regierende Bürgermeister diese haarstr?ubenden Tatsachen anscheinend übersieht“, sagte Melnyk. ?Wir Ukrainer würden uns mehr Fingerspitzengefühl und Empathie wünschen.“

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75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sieht der Diplomat ?wei?e Flecken“ in der deutschen Erinnerungskultur, besonders mit Blick auf Hitlers Vernichtungskrieg in der Ukraine. Es sei ?besch?mend“, dass es in Berlin bis heute kein Denkmal für die ukrainischen NS-Opfer gebe. Auch das Wissen um diese Opfer komme in der deutschen ?ffentlichkeit zu kurz. ?Daher appelliere ich an den Bundestag und den Berliner Senat, ein Mahnmal für die ukrainischen NS-Opfer an prominenter Stelle im Zentrum der Bundeshauptstadt sowie eine dazugeh?rige Informationsstelle zu errichten.“

Die Deutsch-Ukrainische Historikerkommission hatte im vergangenen Jahr die Initiative für ein Berliner Denkmal zur Erinnerung an die polnischen NS-Opfer begrü?t und sich dafür ausgesprochen, ?dass das Denkmalsprojekt auch die Ukraine und Wei?russland integriert“. Die Historiker gaben zu bedenken, dass ein Dokumentationszentrum vielleicht besser als ein Mahnmal der Aufkl?rung dienen und das Gedenken an andere Opfergruppen in Mittel- und Osteuropa einschlie?en k?nnte.

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