Update

Berliner gesteht in IS-Prozess : ?Ich war verblendet“

Ein 25-J?hriger wollte von Berlin in den Dschihad nach Syrien ziehen. 2017 wurde er in Ankara festgenommen. Im Prozess gesteht er.

Dem IS wollte sich der 25-J?hrige anschlie?en. Damals sei er radikalisiert und verblendet gewesen, sagt er heute.
Dem IS wollte sich der 25-J?hrige anschlie?en. Damals sei er radikalisiert und verblendet gewesen, sagt er heute.Foto: AFP

Heimlich packte der Sohn und füllte seine ?Reisekasse“ laut Ermittlungen noch mit Schmuck der Mutter auf. Knapp dreieinhalb Jahre sp?ter steht Youssef D. wegen Terrorverdachts vor dem Landgericht.

Der inzwischen 25-J?hrige sei aus Deutschland ausgereist, um sich über die Türkei nach Syrien zu begeben und dort der terroristischen Vereinigung ?Islamischer Staat“ (IS) anzuschlie?en, hei?t es in der Anklage. D. gestand nun und erkl?rte: ?Ich bin nicht so erzogen, ich war verblendet.“

Youssef D. ist in Berlin geboren. Er hat die deutsche und die libanesische Staatsbürgerschaft. Bevor er aus der Hauptstadt verschwand, soll er bei seinen Eltern gewohnt und in der Security-Branche gearbeitet haben. Am 17. Januar 2017 machte er sich mit zwei gesondert verfolgten M?nnern auf den Weg in den Nahen Osten, um sich den Terroristen des sogenannten Islamischen Staates anzuschlie?en.

Sie h?tten sich einer ?routinem??igen Ausbildung mit Waffen und Sprengstoffen“ unterziehen wollen, um sp?ter Gewalttaten zu begehen, so die Anklage.

[Sicherheit vor der eigenen Haustür: In unseren Leute-Newslettern aus den zw?lf Berliner Bezirken geht es auch oft um die Polizei. Die Newsletter k?nnen Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Seit drei Jahren hat der 25-J?hrige allerdings Hafterfahrung gesammelt – in drei verschiedenen Staaten. Zuerst klickten in der Türkei die Handschellen. Youssef D. erkl?rte nun, eigentlich seien sie dort mit einem Kontaktmann verabredet gewesen. ?Doch der kam nicht.“

Im türkischen Gef?ngnis begegneten ihm radikale Muslime

Ihm seien bereits in der Türkei Zweifel gekommen. Er habe sich entschlossen, nach ?gypten zu reisen, um dort zu studieren – ?den Koran“. Am Flughafen aber wurde er verhaftet.

In einem türkischen Gef?ngnis seien ihm radikale Muslime begegnet. ?Ein kritisches Hinterfragen war nicht m?glich“, erkl?rte der Angeklagte. Er habe begonnen, sich von radikalem Gedankengut zu distanzieren. Nach seiner Haftentlassung sei er zun?chst in der Türkei geblieben.

Weil er Sehnsucht nach seiner Familie in Berlin hatte, packte er wieder seine Tasche. Ende 2019 dann seine Festnahme in Bulgarien. Hintergrund war ein Haftbefehl aufgrund des Berliner Strafverfahrens: Verdacht auf Vorbereitung einer schweren staatsgef?hrdenden Gewalttat.

[Behalten Sie den überblick: Jeden Morgen ab 6 Uhr berichten Chefredakteur Lorenz Maroldt und sein Team im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint über Berlins wichtigste Nachrichten und gr??te Aufreger. Kostenlos und kompakt: checkpoint.tagesspiegel.de]

?Heute habe ich überhaupt keinen Bezug mehr zu dem, was ich damals gedacht und getan habe“, sagte D. weiter. Zu seiner Radikalisierung sei es innerhalb eines Jahres gekommen. Informationen und Bilder, die er im Internet gefunden habe, h?tten ihn ?zu dem Irrglauben geführt, der IS würde legitime Ziele verfolgen“.

Auch Treffen mit Gleichgesinnten in einer Moschee h?tten ihn beeinflusst. Eigentlich habe er für die Fahrt nach Syrien seine Ersparnisse nehmen wollen. Die aber habe seine Mutter für ihn aufbewahrt. Sie h?tte ihm das Geld nie für die Fahrt gegeben, ist sich D. sicher. ?Weil es für meine Hochzeit war.“ Der Prozess geht am Montag weiter.

汤姆叔叔-官网