• "Carré Sama Riga" in Berlin-Friedrichshain:?"Wir Unternehmer wissen uns selbst zu helfen"

"Carré Sama Riga" in Berlin-Friedrichshain : "Wir Unternehmer wissen uns selbst zu helfen"

Wie ist es, in der Rigaer Stra?e zu bauen? Der Investor Christoph Gr?ner sagt, es handle sich dabei nicht um Luxusbauten. Ein Gespr?ch über Autonome, Gentrifizierung und Hilfe vom Staat.

Streitobjekt. Auf einem früheren Gewerbegel?nde unweit der Rigaer Stra?e 94 werden Wohnungen errichtet. Kritiker des Projekts befürchten, dass der Kiez damit weiter aufgewertet und für Anwohner nicht mehr bezahlbar wird.
Streitobjekt. Auf einem früheren Gewerbegel?nde unweit der Rigaer Stra?e 94 werden Wohnungen errichtet. Kritiker des Projekts...Simulation: CG Gruppe

Die CG Gruppe, die gerade den Steglitzer Kreisel erworben hat, will unweit der der Rigaer Stra?e 94 insgesamt 133 Wohnungen bauen. Kritiker befürchten, dass der Kiez durch das 37-Millionen-Euro-Projekt weiter aufgewertet wird und Bewohner durch hohe Mietern verdr?ngt werden. Wir sprachen darüber mit dem Chef des Unternehmens, Christoph Gr?ner.

Herr Gr?ner, Sie lassen als Projektentwickler derzeit auf dem Gel?nde der Rigaer Stra?e 70–73 Platz machen für das ?Carré Sama Riga“, ein Nobel-Bauprojekt. Auf einer Info-Veranstaltung im Juni sollen viele Nachbarn einen Baustopp gefordert haben. Das fand bei Ihnen angeblich kein Geh?r. Haben Sie durch das Schaffen von Fakten zur Eskalation der Lage beigetragen?

In der Rigaer Stra?e sagen Sie, lassen wir Platz machen. Beim genauen Hinsehen haben wir die vom Zerfall und einsturzgef?hrdeten stra?enbegleitenden Geb?ude abgerissen. Die sonst im Hof stehenden Ruinen k?nnen nicht weiter genutzt werden. Das dort vorhandene Klinkergeb?ude wird von der Bildungseinrichtung für berufliche Umschulung und Fortbildung (BUF) ger?umt.

Dieser Mieter zieht in R?ume, die wir ihm ersatzweise zur Verfügung gestellt haben. Sobald die Bauma?nahme abgeschlossen ist, zieht das Unternehmen zurück auf das Areal. Das gilt auch für die Einrichtung der Interessengemeinschaft Rigaer Stra?e. Entgegen der von der Presse kolportierten Aussage haben zu keinem Zeitpunkt Nachbarn den Baustopp verlangt. Im Gegenteil: Ausschlie?lich aus der weiteren Umgebung herbeigeeilte linke Autonome haben sich als Nachbarn ausgegeben und missbilligend lautstark jegliche Aktivit?t kundgetan.

Nachdem wir Opfer von Gewalttaten und Kapitaldelikten geworden sind, war es in der Tat angezeigt, Entschiedenheit zu dokumentieren, aber insbesondere sicherzustellen, dass keine Gefahr von den einsturzgef?hrdeten Geb?uden ausgeht. Man stelle sich vor, die Gewerbebauten w?ren besetzt worden und es w?ren dabei Menschen zu Schaden gekommen. Der Abbruch der Geb?ude erfolgte auf Basis einer vor Monaten beschiedenen Abbruchgenehmigung. Das Schaffen von Fakten ist hier ein Automatismus, von dem aus sich kein ernsthafter Vorwurf gegen uns artikulieren l?sst.

In Friedrichshainer Nordkiez leben vor allem einkommensschwache Menschen. Warum haben Sie sich für diesen Standort entschieden? Mieten von 10 Euro kalt pro Quadratmeter sind für viele nicht zu bezahlen.

Die CG Gruppe AG baut an diesem Standort Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen mit 30 Quadratmetern, Vier-Zimmer-Wohnungen mit 90 Quadratmetern. Selbst bei einem Mietpreis von kalkulierten 11 bis 13 Euro pro Quadratmeter entsteht dort Wohnraum, den sich die arbeitende Bev?lkerung gewiss leisten kann.

Niemand wird ernsthaft behaupten k?nnen, dass Wohnraum für 360 Euro zuzüglich Nebenkosten oder 1050 Euro für einen Haushalt mit zwei Kindern Luxusmieten sind. Mit diesem Quartier schaffen wir einen gehobenen Standard, der sicherlich in puncto ?konomie und ?kologie hochwertig ist, der aber keinesfalls die Aussage zul?sst, es handele sich um Luxusbauten. Das Quartier braucht solche Wohnfl?chen, um einen Ausgleich zu schaffen. Selbstverst?ndlich kann sich unter den von uns geschilderten Umst?nden auch Bev?lkerung aus der Umgebung eine solche Wohnung leisten.

Christoph Gr?ner ist Gesch?ftsführer CG Gruppe.
Christoph Gr?ner ist Gesch?ftsführer CG Gruppe.Foto: Mike Wolff

Der von Ihnen genannte Quadratmeterpreis ist maximal eine Indikation, beim genauen Hinsehen Unfug. Eine 120-Quadratmeter-Mietwohnung in einem Altbau zu einem Mietpreis von 8 Euro pro Quadratmeter und Nebenkosten von rund 3 Euro pro Quadratmeter kostet mehr als unsere Vier-Raum-Wohnung mit nur 2,50 Euro pro Quadratmeter Nebenkosten.

?Carré Sama Riga verhindern“, so hei?t der Schlachtruf auf der Stra?e. Sind Sie nun die Guten, weil Sie modernen Wohnraum schaffen oder die B?sen, weil Sie preiswerten Wohnraum vernichten?

Wohnungen hat es auf dem Areal zu keinem Zeitpunkt gegeben. Insofern erledigt sich jeglicher Vorwurf in Bezug auf die Vertreibung vorhandener Mieter.Aus einem rein gewerblich genutzten Areal mit rund 2000 Quadratmetern Büro- und 1000 Quadratmetern Lager- und Werkstattfl?chen werden rund 10 000 Quadratmeter Wohnraum und 2500 Quadratmeter Fl?chen für die BUF und Gewerbetreibenden aus der Umgebung mit einem eigenen Platz und kostenfreien Veranstaltungsbereich im Keller.

Die Miete in dem Gewerbebereich wird von uns langfristig auf einem Niveau von acht Euro je Quadratmeter garantiert. Der Veranstaltungskeller bleibt dauerhaft mietfrei. Hier müssen nur die Nebenkosten bezahlt werden. Die CG Gruppe AG verantwortet in Berlin und anderen Standorten Projekte, die sich auf die F?rderung von Kindern konzentrieren, mit sechs- und siebenstelligen Betr?gen.

Daneben sind wir als Projektentwickler überzeugt von den positiven Wirkungen des kooperativen Baulandmodells und unterstützen an all unseren Standorten Projekte, die den Spagat zwischen Menschen mit geringerem Einkommen und Gutverdienern gew?hrleisten. Zudem ist unser Unternehmen niemals an Projekten beteiligt, an denen unsere Beteiligung unmittelbar zur Vertreibung von Mietern führt. Besetzte H?user werden nicht zum Gegenstand irgendwelcher überlegungen gemacht und kategorisch bei der Auswahl der Projekte aussortiert.

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Anwohner der Rigaer Stra?e fordern ein Ende der Polizeipr?senz.
Rigaer Stra?e: Anwohner sind gegen Polizeipr?senz

Welche Sicherungsma?nahmen müssen Sie nun ergreifen? Kann es dazu kommen, dass Sie von dem Projekt unter dem Druck der Stra?e Abstand nehmen?

Die Sicherungsma?nahmen beschr?nken sich auf die ganzt?gige Bewachung des Areals und sind von uns vorher einkalkuliert worden. Selbstverst?ndlich werden wir unter dem Druck der Stra?e nicht von dem sozial ausgewogenem Projekt Abstand nehmen.?Denn die Aufwertung von St?dten – von den Linksautonomen ge?chtet – ist in der Tat unter den richtigen Voraussetzungen, die wir hier gemeinsam mit dem Bezirk und den Nachbarn schaffen, ein wichtiger Beitrag, mit dem wir der Gentrifizierung entgegenwirken.

Was k?nnen Sie tun, um die Situation in der Rigaer Stra?e zu befrieden?

Tatsache ist, dass wir in mehr als ein Dutzend Nachbarschaftsinformationsveranstaltungen in den letzten drei Jahren Informationen mit den Nachbarn ausgetauscht und gemeinsam mit der BUF und der IG Rigaer Stra?e diskutiert und abgestimmt haben. Das war auch am 11. Juni so. Als die Linksautonomen erkannt haben, dass sie die Veranstaltung zwar st?ren, aber die Verantwortlichen nicht durch ihr Geschrei vertreiben konnten, sind sie unverrichteter Dinge wieder abgezogen und haben den Raum für Gespr?che mit Nachbarn und Interessierten freigegeben.

Berlin-Historie: Hausbesetzungen in Bildern
Eine bemalte Hausfassade in Berlin-Kreuzberg demonstriert das Vorhaben der Hausbesetzer, die dauerhaft in dem Haus bleiben wollen. Dies war eines von vielen H?usern, die seitdem besetzt wurden. Die Hausbesetzerbewegung war Teil einer neuen Protest- und Widerstandskultur. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1979.Weitere Bilder anzeigen
1 von 20Foto: picture alliance/dpa
11.07.2016 15:36Eine bemalte Hausfassade in Berlin-Kreuzberg demonstriert das Vorhaben der Hausbesetzer, die dauerhaft in dem Haus bleiben wollen....

Wir werden weiterhin die Bürger und Bürgerinnen auf entsprechenden Veranstaltungen informieren. Auch sind wir interessiert, uns an Projekten des Kiezes zu beteiligen, um die Situation zu entspannen. Dazu haben wir dem Berliner Senat bereits Vorschl?ge unterbreitet. Aus unserer Sicht ist unser Projekt nur in den Fokus der Linksautonomen geraten, da in unmittelbarer Nachbarschaft R?umungsaktionen erfolgt sind.

Bezahlt Ihre Versicherung unter diesen Vorzeichen Sch?den an Ihrem Vorhaben? Ist Ihr Projekt durch Auseinandersetzungen in Mitleidenschaft gezogen worden?

Zwar haben die Linksautonomen kurze Zeit nach der Veranstaltung am 11. Juni in ihrer Wut sechs Fahrzeuge der CG Gruppe AG angezündet – ohne uns damit zu beeindrucken. Tats?chlich beeindruckt hat uns aber die schwere K?rperverletzung, die die Linksautonomen bei einem Mitarbeiter des Sicherungspersonals vor unserem Leipziger Büro kurz sp?ter verübt haben.

Das hat zu einer drastischen Erh?hung unserer Sicherungsma?nahmen geführt. Es ist unerheblich, ob Sch?den an Bauvorhaben, Fahrzeugen oder anderen materiellen Werten, die wir erfahren, von der Versicherung reguliert werden. Letztlich zahlt die Gemeinschaft den Schaden. Wir sind in jedem Fall so oder so in der Lage, die Sch?den zu beseitigen, ohne gro?es Aufheben darum zu machen. Nicht reguliert werden k?nnen Sch?den an den Menschen durch Gewaltakte. Ausschlie?lich in diesem Bereich ist mit Unterstützung von staatlicher Seite zu rechnen. Ansonsten wissen wir Unternehmer uns seit jeher selbst zu helfen. Wir wissen, dass die staatlichen Institutionen nicht in der Lage sind, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten beziehungsweise durchzusetzen.

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