• Debatte um Geisterspiele in der Bundesliga:?Der Fu?ball darf sich nicht überh?hen!

Debatte um Geisterspiele in der Bundesliga : Der Fu?ball darf sich nicht überh?hen!

Ein gro?er Beitrag für die Gesellschaft? Eine verbindende Kraft? Nein, dem Fu?ball geht es ums Geld. Einen Sonderweg hat er nicht verdient. Ein Kommentar.

An Ort und Stelle: DFL-Chef Christian Seifert hat in den vergangenen Wochen flei?ig Lobbyarbeit betrieben.
An Ort und Stelle: DFL-Chef Christian Seifert hat in den vergangenen Wochen flei?ig Lobbyarbeit betrieben.Foto: Imago

Fu?ball ist mehr als ein Spiel. Wer im glamour?sen Gesch?ft mit dem Ball sein Geld verdient, hat dieses ungeschriebene Gesetz verinnerlicht. Ebenso wie den Antrieb, dieses ungeschriebene Gesetz jedem jederzeit verklickern zu müssen: Welch verbindende Kraft der Fu?ball ausstrahle und welch gro?en Beitrag er für die Gesellschaft leiste.

Das stimmt, doch richtig ist auch: Der Profi-Fu?ball ist ein riesiger Wirtschaftsbetrieb, in dem Milliarden umgesetzt werden. Ob und wie der Fu?ballbetrieb hierzulande fortgesetzt werden kann, darüber wollen am Donnerstag die 36 Profiklubs bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fu?ball-Liga (DFL) beraten. Es geht also vor allem ums Geld und nicht um den gesellschaftlichen Beitrag.

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Noch pausieren Bundesliga und Zweite Liga bis 30. April wegen der Coronavirus-Pandemie. Wie es vielleicht ab Mitte Mai mit Geisterspielen ohne Zuschauer weitergehen k?nnte, soll auch anhand eines ausgeklügelten Gesundheitskonzepts vorgestellt werden – unter anderem mit strengen Hygienevorgaben für Spieler, Trainer und Betreuer.

Aus der Politik hat der Fu?ball für die geplanten Ma?nahmen bisher viel Lob und positive Signale erhalten – besonders in Person zweier ambitionierter Ministerpr?sidenten: Bayerns Markus S?der und Nordrhein-Westfalens Armin Laschet. Und am Mittwoch zeigte sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn offen für die Geisterspiele. Diese seien eine Rückkehr in ein Stück Normalit?t für Millionen Fans.

Ein baldiger Neustart der Bundesliga ist demnach m?glich. Die gro?e Frage ist jedoch: Warum darf der Profi-Fu?ball diesen Sonderweg gehen?

Gesonderte Regeln etwa für Restaurants, Hotels, Freizeitparks oder Fitnessstudios haben S?der und Laschet jedenfalls noch nicht verkündet. S?ders Argument, wonach ein Wochenende mit Fu?ball deutlich ertr?glicher sei ?als ein Wochenende ohne Fu?ball“, ist nur scheinheilig. Viele Menschen haben gerade andere Probleme als die Wochenendgestaltung.

Gro?e Leere: So wie hier beim Bundesliga-Spiel zwischen M?nchengladbach und K?ln k?nnte es bald dauerhaft in der Bundesliga aussehen.
Gro?e Leere: So wie hier beim Bundesliga-Spiel zwischen M?nchengladbach und K?ln k?nnte es bald dauerhaft in der Bundesliga...Foto: Moritz Müller/Imago

Ja, der Fu?ball besitzt einen besonderen Stellenwert für viele Deutsche. Deshalb nutzen ihn Politiker zur Image-Aufpolierung. Deshalb konnte die DFL um ihren cleveren Chef Christian Seifert die Politik vor ihren Karren spannen.

Dass die Funktion?re dies tun, ist nicht zu verurteilen. Pl?ne für einen Neustart geh?ren zu ihrer Aufgabe – das ist ebenso in Fabriken der Fall. Dazu geh?ren auch Coronavirus-Tests. Doch ob es für Altenpfleger, Lehrer und Supermarktangestellte vermittelbar ist, Zehntausende Tests – von dieser Gr??enordnung gehen Experten aus – für Fu?ballspieler zu nutzen, ist zweifelhaft.

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Der Fu?ball sollte sich besonders in diesen Zeiten nicht überh?hen. Dass diese Gefahr jedoch besteht, zeigen Aussagen wie jene des Vorstandschefs von RB Leipzig, Oliver Mintzlaff: ?Es w?re sch?n, wenn wir den Fans durch den Fu?ball wieder ein Stück Lebensfreude geben k?nnten“, verkündete er. Lebensfreude? Wirklich? Es sind knallharte wirtschaftliche Interessen, die die Bundesliga-Vertreter antreiben, den Betrieb am Laufen zu halten.

Nur wenn weiter gespielt wird, flie?t auch weiter das Geld von den Fernsehsendern. Diese Millionen brauchen fast alle Profi-Klubs dringend – bei manchen würden sonst bereits in einigen Wochen die Lichter ausgehen, sogar bei einem Traditionsverein wie Schalke 04. Eben weil die TV-Gelder schon l?ngst ausgegeben sind.

Es muss andere Wege der Politik geben, um Klubs und deren Angestellte zu retten, als einer Branche, in der einige überaus schlecht wirtschaften, nun eine Sonderrolle einzur?umen. Derzeit steht einfach viel mehr auf dem Spiel als der Fu?ball.

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