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Coronavirus-Studie in Schweden : Nur 7,3 Prozent der Stockholmer hatten Antik?rper im Blut

Im besonders von Covid-19 betroffenen Stockholm haben bei Tests weniger Leute Antik?rper als gedacht. Doch Epidemiologe Tegnell sagt: Die Immunit?t liegt h?her.

Ein gut besuchtes Lokal in Stockholm.
Ein gut besuchtes Lokal in Stockholm.Foto: imago images/TT Patrik ?sterberg

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie wird auch gehofft, dass immer mehr Menschen nach einer Infektion Antik?rper entwickeln und sich so eine Immunit?t einstellt. Dies gilt besonders für Schweden, dass wegen seines Umgangs mit der Krise und der vergleichsweise hohen Zahl an Todesf?llen international im Fokus steht.

Zwischenergebnisse einer Studie, die die staatliche Gesundheitsbeh?rde dazu pr?sentiert, werfen jetzt neue Fragen auf. Denn der Anteil der Infizierten ist niedriger als erwartet. Dies berichten die Zeitung ?Dagens Nyheter“ (DN) und der Sender SVT online.

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Durch den Test auf Antik?rper im Blut kann nachgewiesen werden, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert war und m?glicherweise immun ist. Ob beim neuartigen Coronavirus aber überhaupt eine Immunit?t eintritt beziehungsweise wie lange sie anh?lt, ist unter Wissenschaftlern weltweit heftig umstritten und nicht abschlie?end erforscht.

Die ersten Testergebnisse aus Schweden zeigen nun, dass in der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen schwedischen Hauptstadt Stockholm Ende April 7,3 Prozent der Bewohner über Antik?rper verfügten. In anderen Teilen des Landes lagen die Zahlen für die Antik?rper-Tr?ger noch niedriger. Im ?u?ersten Süden in der Provinz Sk?ne waren es 4,2 Prozent, in der Region V?stra G?taland, in der die Metropole G?teborg liegt, nur 3,7 Prozent.

Am ehesten hatten Menschen zwischen 20 und 64 Jahren Antik?rper gebildet (6,7 Prozent), bei den über 65-J?hrigen waren es 2,7 Prozent. Das Ergebnis zeige, dass diese Bev?lkerungsgruppe gut darin sei, sich zu schützen, sagte Tegnell.

Bei den jungen Menschen zwischen null und 19 Jahren hatten 4,7 Prozent Antik?rper. Dies best?tigt Tegnell zufolge die Annahme der Wissenschaftler, dass es in dieser Altersgruppe keine gro?e Verbreitung des Virus gibt, das die Lungenkrankheit Covid-19 ausl?sen kann.

Nach Angaben der Gesundheitsbeh?rde stammen die Ergebnisse von rund 1200 Proben, die vor drei Wochen genommen worden waren. Der Anteil von sieben Prozent Menschen mit nachgewiesenen Antik?rpern liegt deutlich unter den früheren Berechnungen der Gesundheitsbeh?rde und ihres Chefepidemiologen Anders Tegnell. Demnach sollten Anfang Mai bereits rund ein Viertel der Einwohner Stockholms infiziert sein oder gewesen sein.

Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell.
Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell.Foto: Jonas Ekstromer/TT News Agency/AFP

Tegnell begründete den Unterschied am Mittwoch in einer Pressekonferenz mit dem Abstand, der zwischen dem Zeitpunkt einer Infektion und dem Moment bestehe, in dem der Mensch Antik?rper bilde. Man liege zwar etwas niedriger als erwartet, sagte Tegnell, aber: ?Es sind jetzt keine sieben Prozent. Wir liegen irgendwo bei 20 Prozent plus in Stockholm.“

Je mehr Menschen Antik?rper h?tten, desto langsamer breite sich das Virus aus, sagte Tegnell. Man sehe bereits jetzt Zeichen für eine Immunit?t in der Bev?lkerung. Denn die Anzahl Erkrankter sei zuletzt zurückgegangen, ohne dass die Restriktionen für die Bürger versch?rft worden seien.

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Der Zeitung DN zufolge betonte er allerdings auch, es gebe keinen Grund zu glauben, es lasse sich eine Immunit?t erreichen, die die Infektion ganz stoppen k?nne. Dies k?nne nur helfen, die Ansteckungsrate niedrig zu halten, so dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde und eventuell einige Restriktionen gelockert werden k?nnten. ?Damit die Krankheit verschwindet, müssen Immunit?t und Impfungen kombiniert werden.“

Wie DN berichtete, zeigten erste Ergebnisse einer vergleichbaren Studie im Nachbarland D?nemark, dass noch deutlich weniger Menschen Antik?rper gebildet hatten. Demnach teilte die Forschungseinrichtung Statens Serum Institut gerade mit, dass von knapp 1100 getesteten Personen nur bei knapp 1,1 Prozent eine Form von Immunit?t nachgewiesen werde konnte. D?nemark hatte sich anders als Schweden für einen Lockdown entschieden.

Im Vergleich zu fast allen anderen Staaten hat Schweden in der Pandemie den Alltag der Bürger durch Gesetze und Bestimmungen nur vergleichsweise moderat eingeschr?nkt und so den Begriff vom ?schwedischen Sonderweg“ gepr?gt. Die Regierung allerdings betont stets, dass es sich um einen ?Mythos“ handele, dass das Leben in Schweden quasi normal weiterlaufe. Man setze auf die Vernunft der Bürger statt eines Lockdowns wie in anderen Staaten.

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In der Tat haben Regierung und Gesundheitsbeh?rde seit Beginn der Pandemie an die Schweden appelliert, soziale Kontakte zu minimieren und Abstand zu halten. Menschen über 70 sollen zu Hause bleiben. Kinderg?rten, Schulen für Kinder unter 16 Jahre und Gesch?fte sind ge?ffnet. Dies gilt unter Auflagen auch für die Gastronomie. Versammlungen sind bis zu 50 Personen erlaubt. Die Menschen sollen im Homeoffice arbeiten und bei Symptomen auf jeden Fall zu Hause bleiben.

Strikt verboten sind dagegen seit Anfang April Besuche in Alten- und Pflegeheimen, von wo inzwischen der ganz überwiegende Teil der Todesf?lle gemeldet wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in Schweden inzwischen ein Vorbild für andere Staaten, um aus einem Lockdown wieder herauszukommen.

Der schwedische Ansatz hat international Irritationen und Kritik ausgel?st. Auch im Land ist der Kurs der schwedischen Regierung l?ngst nicht unumstritten; schon seit einiger Zeit fordern zahlreiche Wissenschaftler einen radikalen Kurswechsel.

L?fven und Tegnell wird vorgeworfen, das Leben vieler leichtfertig aufs Spiel zu setzen – unter anderem, um die Wirtschaft zu schützen, die wegen ihrer Abh?ngigkeit vom Export aber auch massiv von der Coronavirus-Krise betroffen ist. In den Nachbarl?ndern, wo darüber debattiert wird, wann die Grenzen wieder ge?ffnet werden sollen, wird wegen der Todeszahlen und der vermuteten hohen Infektionsrate aktuell darüber diskutiert, ob Schweden zun?chst davon ausgeschlossen bleiben müsse.

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Premier L?fven hatte zum zu erwartenden Ausma? der Pandemie am 3. April der Zeitung DN gesagt, Schweden verfolge die Strategie, den Anstieg der Infektionsf?lle zu verz?gern, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. ?Aber das beinhaltet zugleich, dass wir weitere Schwerkranke haben werden, die Intensivpflege ben?tigen, wir werden bedeutend mehr Tote haben. Wir werden mit Tausenden Toten rechnen müssen. Darauf sollten wir uns einstellen.“

Inzwischen sind in dem Land mit seinen rund 10,2 Millionen Einwohnern mehr als 3870 Patienten an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung verstorben, allein 1879 davon in der Region Stockholm, in der rund eine Million Einwohner leben. Umgerechnet auf die Zahl der Toten pro Million Einwohner liegt Schweden mit nun 376 deutlich h?her als die Nachbarl?nder Norwegen, D?nemark oder Finnland und auch deutlich über dem Wert Deutschlands.

Anzahl der Verstorbenen/best?tigten Infektionen pro eine Million Einwohner (Stand Donnerstag, 20. Mai, 14 Uhr; Quelle Sveriges Television/Johns Hopkins Universit?t/Worldometer)

  • Schweden: 376/3096
  • Norwegen: 44/1558
  • D?nemark: 96/1952
  • Finnland: 55/1168
  • Island 28/5099
  • Deutschland: 98/2152
  • USA: 286/4743
  • Italien: 535/3762
  • Spanien: 597/4977
  • Gro?britannien: 538/3754
  • Frankreich: 420/2712
  • Südkorea: 5/215
  • Belgien 801/49019

Im April verzeichnete das Land nach Angaben der Statistikbeh?rde die seit Jahren h?chste Sterberate. Demnach starben im vergangenen Monat 10.458 Menschen ?Wir müssen bis zum Dezember 1993 zurückgehen, um mehr Tote in nur einem Monat zu haben“, erkl?rte Tomas Johansson von der Statistikbeh?rde. Im gesamten Jahr 1993 gab es mehr als 97.000 Todesf?lle – die h?chste Rate seit 1918, als auch in Schweden die Spanische Grippe grassierte. Eine offizielle Erkl?rung für die hohe Zahl der Todesf?lle 1993 gibt es Johansson zufolge nicht. Allerdings wurde Schweden damals von einer Grippewelle heimgesucht.

Tegnell hat inzwischen mehrfach betont, dass man die Zahl der Toten und besonders die dramatische Lage in Heimen und die Gefahr für die dort lebenden Senioren und Pflegebedürftigen massiv untersch?tzt habe. ?Es ist furchtbar traurig, dass weiter so viele Menschen in Schweden an dieser Krankheit sterben“, sagt er.

Der oberste Seuchenbek?mpfer des Landes sieht aber auch positive Anzeichen. So lag die Reproduktionszahl in der zweiten April-H?lfte fast kontinuierlich unter 1,0. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Mittel weniger als eine weitere Person ansteckt. Auch die Zahl neuer Intensivpatienten geht regelm??ig zurück.

Weniger als 400 Patienten werden zurzeit intensivmedizinisch betreut. Und inzwischen sinkt auch die Zahl der Todesf?lle, deren Mittelwert in den vergangenen zehn Tagen bei 68 lag. ?In Schweden geht die Kurve der Anzahl der Verstorbenen sehr langsam nach unten“, so Tegnell.

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