• Debatte zu Coronavirus und Schulschlie?ungen:?Kinder k?nnten infekti?s sein, selbst aber geringeres Ansteckungsrisiko haben
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Debatte zu Coronavirus und Schulschlie?ungen : Kinder k?nnten infekti?s sein, selbst aber geringeres Ansteckungsrisiko haben

Kinder haben wohl eine gleich hohe Viruslast wie Erwachsene, ihr Ansteckungsrisiko k?nnte aber geringer sein. Forscher raten zur Vorsicht bei Schul?ffnungen.

Zwei Jungen tragen auf dem Prinzipalmarkt in Münster eine Mund-Nase-Bedeckung.
Zwei Jungen tragen auf dem Prinzipalmarkt in Münster eine Mund-Nase-Bedeckung.Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Bisherige Erfahrungen legen nah: Kinder infizieren sich ?hnlich h?ufig wie Erwachsene mit dem neuartigen Coronavirus, erkranken aber seltener an der von Sars-Cov-2 ausgel?sten Lungenkrankheit Covid-19. Unklar war allerdings bislang, wie infekti?s Kinder sind, wenn sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Eine Studie der Berliner Charité, die am Mittwochabend ver?ffentlicht wurde, zeigt, dass infizierte Kinder wohl eine genau so gro?e Menge an Viren im Rachen haben wie Erwachsene . Dieser Befund legt nahe, dass sie auch genauso ansteckend sein k?nnten wie Erwachsene. Die Studie befindet sich im Preprint-Stadium, wurde also noch nicht von unabh?ngigen Wissenschaftlern begutachtet und in einer Fachzeitschrift ver?ffentlicht.

Der Charité-Chefvirologe Christian Drosten, der auch an der Studie beteiligt war, ver?ffentlichte auf Twitter eine Grafik, die die Viruslast der verschiedenen Altersgruppen zeigt, von Kindergartenkindern bis hin zu ?lteren Menschen. ?Kein signifikanter Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen“, schrieb Drosten im Bezug auf die Viruslast dazu.

Diese Erkenntnis dürfte die Kita- und Schul?ffnungsdebatte neu anheizen. Denn wenn Kinder mit dem Coronavirus infiziert sind, aber keine Symptome zeigen, k?nnten sie die Viren unbemerkt weiter verbreiten.

[Mehr zum Thema: Schul?ffnungen k?nnten zu einem drastischen Anstieg der Infektionen führen, warnen Forscher]

Christian Drosten verbreite auf Twitter aber auch eine neue Studie, die zeigt, dass Kinder ein deutlich geringeres Ansteckungsrisiko haben k?nnten Erwachsene. Drosten bezeichnete diese Studie als ?wichtiges Gegenstück“ zu den von der Charité gesammelten Daten zur Viruslast.

In dieser Studie, die im Fachmagazin ?Science“ ver?ffentlicht wurde, haben Wissenschaftler Kontaktumfragen aus Wuhan und Shanghai und Kontakttracing-Daten aus der chinesischen Provinz Hunan ausgewertet und darauf basierend ein Modell erstellt. Die Forscher analysierten insgesamt 1245 Kontakte, die von 636 Studienteilnehmern aus Wuhan gemeldet wurden, und 1296 Kontakte von 557 Teilnehmern in Shanghai.

?Wir haben herausgefunden, dass die Anf?lligkeit einer SARS-CoV-2-Infektionen mit dem Alter ansteigt“, schreiben die Wissenschaftler. Junge Menschen im Alter von 0 bis 14 Jahre h?tten demnach ein geringeres Infektionsrisiko als Menschen von 15 bis 64 Jahren. Am h?chsten sei das Risiko bei Menschen über 65. Die Forscher aus China, Italien und den USA kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass Schulschlie?ungen alleine einen Covid-19-Ausbruch nicht regulieren, ihn aber deutlich verlangsamen k?nnen.

Forscher warnen vor uneingeschr?nkter Kita- und Schul?ffnung

Für die Untersuchung der Charité wurden die Virusmengen von insgesamt 3712 Infizierter anhand von der Charité durchgeführten PCR-Tests verglichen. Die Forschergruppe der Charité schreibt in der Studie: ?Wir warnen vor einer uneingeschr?nkten Wiederer?ffnung von Schulen und Kinderg?rten in der aktuellen Situation. Kinder k?nnten genauso infekti?s sein wie Erwachsene.“ Die Tests wurden vom Januar 2020 bis zum 26. April in Berliner Laboren durchgeführt.

Davon waren 37 Kinder im Kindergartenalter, 16 Grundschüler und 74 Jugendliche, die auf weiterführende Schulen gehen. Insgesamt wurden also 127 Kinder untersucht. Das scheint wenig - weltweit wurden den Berliner Wissenschaftlern zufolge jedoch lediglich erst 1065 Kinder positiv getestet.

In der Studie seien keinerlei statistische Beweise dafür gefunden worden, dass Kinder eine unterschiedliche Viruslast als Erwachsene haben. In der derzeitigen Situation, in der ein Gro?teil der Bev?lkerung nicht immun ist und die Ansteckungsrat niedrig gehalten werden muss, müsse man Vorsicht walten lassen.

Die Forschungslage bleibt unübersichtlich

Die Wissenschaftler führen auch die Gegenargumente auf: Symptomfreie Kinder würden nicht husten, au?erdem atmen sie weniger Luft aus als Erwachsene. Dies würde für eine geringere Ansteckungsgefahr durch Kinder sprechen. Andererseits seien Kinder k?rperlich aktiver und h?tten engere soziale Kontakte, was wiederum für eine gr??ere Ansteckungsgefahr spreche.

Es sei n?tig, noch mehr statistische Daten über die Viruslast von Kindern aus Laboren zu sammeln und die bereits gesammelten Daten unabh?ngig zu überprüfen. Ausgehend von ihren Ergebnissen raten die Forscher dazu, Kinder als potentiell genauso ansteckend wie Erwachsene zu behandeln.

Beide Studien zusammen ergeben, dass Kinder sich deutlich seltener mit dem Coronavirus anstecken k?nnten als Erwachsene. Wenn sie infiziert sind, sind sie aber wahrscheinlich genauso ansteckend für andere. Abschlie?end sind diese Ergebnisse aber nicht, andere Studien sagen gegenteiliges etwa über das Ansteckungsrisiko von Kindern aus. Die Forschungslage zum Thema bleibt unübersichtlich.

In den kommenden Wochen sollen weitere Untersuchungen kommen, unter anderem aus vier Unikliniken in Baden-Württemberg. Die untersuchen, wie sich die Ansteckung von Kindern und ihren Eltern mit dem Virus unterscheidet.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie?hier in unserem Newsblog. über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie?an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Entscheidung über Schulen und Kitas vertagt

In einer Studie, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt, haben Wissenschaftler in einer Modellierung berechnet, wie sich Schul?ffnungen auf Berlin auswirken k?nnten. Das Ergebnis: Die ?ffnungen k?nnten zu einem drastischen Anstieg der Infektionen führen. Die Modellierung wurde von der internationale Forschergruppe Mocos (Modelling Coronavirus Spread) durchgeführt.

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Am Donnerstag hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpr?sidenten zu weiteren Lockerungen der Corona-Ma?nahmen beraten. Die Entscheidung über Schulen und Kitas wurde auf den 6. Mai vertagt.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek?hatte bereits vorab klargestellt, dass sie für den Schulbetrieb mit Beschr?nkungen bis in das n?chste Schuljahr hinein rechnet. ?Die Ausnahmesituation wird bis weit in das n?chste Schuljahr andauern“, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

?Erst wenn gro?e Bev?lkerungsgruppen geimpft sind, werden wir?zum gewohnten Unterricht zurückkehren“, sagte Karliczek. Bis dahin werde es eine?Mischform von Pr?senzunterricht und digitalem Unterricht?geben.

Mehr zum Thema

Dieser Text wurde um 16.45 Uhr aktualisiert mit den Informationen zu der neuen Studie im ?Science“-Magazin und der Vertagung der Entscheidung über Schul- und Kita?ffnungen.

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